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Handy-Navigation

Mobile Lotsen von Nokia
Mobile Lotsen von Nokia

Die Idee ist nicht neu, wird aber noch immer selten genutzt: Navigation per Handy. Welche Geräte sich dafür eignen und wie viel dieser Service kostet.

Neulich vor dem Berliner Reichstag: Eine Gruppe Jugendlicher schart sich zusammen, man murmelt, gestikuliert und starrt neugierig auf ein Handy-Display, das einer der Jungs etwas linkisch vor sich in den Himmel streckt. Dann eilt die ganze Gruppe plötzlich zwanzig Meter nach links über den Platz, um wenig später wieder an ihren Ausgangsort zurückzukehren. Eine Demonstration? Eine drohende Parlamentsbesetzung? Gefahr im Verzug? Nichts dergleichen: Die Jugendlichen machen Geo-caching, eine neue Freizeitbeschäftigung, bei der man wie bei einer Schnitzeljagd mit Hilfe eines GPS-Empfängers verschiedene Orte aufsuchen muss, um Rätsel zu lösen oder einen Schatz zu finden. Dazu nutzen sie ein modernes Navigations-Handy mit integriertem GPS-Empfänger, das die aktuelle Position bis auf wenige Meter genau auf einer Karte anzeigt.

Aus Handys sind in den letzten Jahren mehr und mehr kleine Computer geworden, die neben der eigentlichen Hauptaufgabe telefonieren zusätzliche Funktionen übernommen haben – von der Digitalkamera über Organizerfunktionen bis hin zum Musikplayer oder Internet-Terminal. Auch die Nutzung als Navigationssystem ist schon lange nichts Neues mehr, dennoch sieht man im Alltag ebenso selten Autofahrer mit Navigations-Handy an der Windschutzscheibe wie Fußgänger, die sich von ihrem Handy den Weg weisen lassen. Zu Unrecht, denn Mobiltelefone stehen dank großer Rechenleistung und viel Speicherplatz Nokia 6210 Navigator den mobilen Navigations-systemen bei der Zielführung kaum nach. Kompromisse muss man nur bei der Lautstärke der Sprachausgabe und der Displaygröße machen. Ein möglicher Grund für die Zurückhaltung der Käufer könnte die einst umständliche Bedienung sein: Früher musste man oftmals Handy, GPS-Empfänger, Kfz-Halterung und Software getrennt erwerben und selbst installieren – für Freaks oder die Kids vorm Reichstag ist das wohl kein Problem, für Otto Normalverbraucher dagegen schon. Auch die Kosten waren zum Teil unübersichtlich: Manche Zusatzsysteme mussten gekauft werden („On-Board“ – das Kartenmaterial zum Navigieren befindet sich dann auf dem Handy), manche liefen als Abo und manche wurden pro Route abgerechnet („Off-Board“ – die Karten werden nur für das jeweilige Fahrziel bereitgestellt). Die neue Generation macht vieles besser. Unterschiede bei der Bezahlung gibt es immer noch, was aber niemanden abschrecken muss, denn die Preise sind mittlerweile in wirklich fairen Regionen angekommen. Wer sein Gerät nicht täglich braucht, kann mit einem Off-Board-System durchaus günstig fahren – mehr als ein paar Euro kommen im Monat selten zusammen. Wer dagegen viel navigieren will und mit dem Begriff Datenflatrate nichts anfangen kann, der sollte gleich zum On-Board-Navi-System greifen.

Alle anderen geschilderten Probleme gehören mehr oder weniger der Vergangenheit an, denn es gibt immer mehr Komplettangebote – Handys mit integriertem GPS-Empfänger und vorinstallierter Software – die man aus der Packung heraus sofort in Betrieb nehmen kann. Einzig die dringend erforderliche Kfz-Halterung, ohne die man das Handy im Auto ja nicht bedienen darf, geht trotzdem meist extra.

Aber auch manches bereits vorhandene Handy lässt sich zum elektronischen Pfadfinder aufrüsten. Und wer bereits ein leistungsfähiges Handy der neueren Generation hat, kann es mit ein wenig Aufwand navigationsfähig machen. Nur sollte man sich dies gut überlegen, denn mobile Navigationssysteme gibt es im Laden schon ab deutlich unter 100 Euro. Da lohnt es sich selten, für eine Handy-Software plus GPS-Empfänger in etwa die gleiche Summe zu investieren. Wer allerdings sein Handy ohnehin immer dabei hat und deswegen bewusst zu einer Handy-Navigation greifen will, sollte sich zunächst einmal vergewissern, ob es für genau sein Modell auch entsprechende Angebote gibt. Denn nicht jede Software läuft auf jedem Handy. Zum Teil muss selbst innerhalb einer Serie die Software angepasst werden, damit das Programm auch fehlerfrei läuft. Es empfiehlt sich also dringend, zum Beispiel auf der Internet-Seite des Herstellers oder der Verpackung nach einer eindeutigen Angabe zu suchen. Ebenfalls sollte man sich mit seinem Mobilfunkvertrag beschäftigen, denn wenn man ein Off-Board-Navigationssystem auswählt, das regelmäßige Online-Verbindungen herstellen muss, um einwandfrei zu funktionieren – da kann der falsche Datentarif sehr schnell schmerzhaft teuer werden. Wir haben uns die interessantesten und einfachsten Angebote aus dem Handy-Navigationsbereich einmal angeschaut und einem Praxistest unterzogen. Wer auch mal vorm Reichstag mit einem GPS-Handy herumirren will, informiert sich am besten vorher unter www.geocaching.de.

Nokia 6210 Navigator

Nokia ist der Hersteller mit dem größten Angebot an GPS-Handys, alle aktuellen Modelle werden mit der hauseigenen Software „Nokia Maps“ ausgeliefert. Die Besonderheit: Die Karten können sowohl kostenpflichtig über das Mobilfunknetz als auch kostenlos zu Hause auf das Gerät geladen werden. Die aktive Navigation kostet eine Monats- oder Jahresgebühr, man bekommt aber einen Freimonat zum Ausprobieren. Nokia Maps ist eines der grafisch aufwendigsten Programme für Handys überhaupt und überzeugt mit vielen Funktionen, verwirrt jedoch auch manchmal mit seiner Komplexität. Trotzdem braucht sich das Programm vor keiner anderen Handy-Navigation zu verstecken. Note 1–2

O2 XDA Diamond TomTom 7

TomTom beherrscht mit mobilen Navis den Markt in Europa, eine frei erhältliche Handy-Software gibt es aber nicht. Dafür sogenannte Bundle-Angebote, wie zum Beispiel die Windows-Mobile-Smartphones von O2 und HTC. Neben den Windows-Funktionen besticht das hochauflösende Display – gut für klare Kartendarstellung. Die TomTom-Software macht im Alltag kaum Probleme, die Routine des Marktführers ist hier klar spürbar. Unpraktisch: Die Karte muss erst vom PC auf das Gerät heruntergeladen werden. Note 2

Samsung SGH-i550 Navigon NM7

Das Samsung SGH-i550 besticht mit großem und scharfem Display ebenso wie mit der vorinstallierten Navigon-Software. Die Ansagen kommen präzise, die Kartendarstellung ist deutlich und die Bedienung einfach. Die Software gibt es aber auch einzeln unter www.navigon.de. Ab 69 Euro zahlen Besitzer eines kompatiblen Handys für eine Version mit regionalem Kartenmaterial – Online-Kosten kommen hier nur dann hinzu, wenn man Staumeldungen abrufen will. Auch eine Fußgängerfunktion ist enthalten. Note 1–2

Navigation auf und mit dem Apple iPhone

Nutzer eines iPhones hatten es bisher schwer, entsprechende Programme wurden von Apple schlicht nicht auf das Gerät gelassen. Erlaubt war nur passive Navigation, die die eigene Position auf der Karte darstellt, Routen berechnet oder die Umgebung nach Sonderzielen absucht. In wenigen Wochen nun erscheint aber die neue Betriebs-Software 3.0, mit der das iPhone auch aktiv navigieren können soll – mit Sprachausgabe und allem Pipapo. Die Anbieter Navigon und TomTom stehen schon in den Startlöchern.

Das Örtliche Ö-Navi

Das Ö-Navi eignet sich für fast alle Handys. Bis auf die Internet-Verbindung ist es kostenlos, finanziert wird es durch kleine Werbebanner. Einfach unter www.oenavi.de registrieren und installieren. Ö-Navi ist ein Off-Board-System, es lädt seine Karten vor jeder Fahrt aus dem Internet. Tipp: Gleich ein Datenpaket buchen oder eine Discounter-Prepaid-Karte (z. B. Simyo, Congstar) verwenden. Die Zielführung ist spartanisch, aber für den gelegentlichen Einsatz völlig ausreichend. Note 2

Handy-Navigation jetzt auch bei Ford

Die Bestandteile des Systems sind das Audiosystem Sound + Connect mit Bluetooth-Freisprechanlage für 1000 Euro, die Ford Mobiltelefon Navigation für 185 Euro und ein Handy der Marke Nokia, das auf dem Symbian-S60-Betriebssystem basiert. Dann nur noch die beiliegende Speicherkarte mit der Navigations-Software ins Handy und sofort losnavigieren – Eingaben und Kartendarstellung erfolgen auf dem Handy, die Sprachausgabe und eine Pfeildarstellung über das Autoradio. Erhältlich für Ford S-Max, Mondeo und Galaxy sowie ganz neu auch für Focus, Fiesta und C-Max. Eine wirklich günstige, innovative und praktische Lösung für Handy-Navigierer

Quelle: AutoStraßenverkehr (Max Weg/Andreas Leue)

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