Der deutsche Automarkt kommt nach dem Ende der Abwrackprämie nicht in Schwung. Die Zahl der Auto-Neuzulassungen im Inland sank im August auf rund 201.000. Das waren 27 Prozent weniger als im August 2009, als die Abwrackprämie die Nachfrage angekurbelt hatte.
Von Low Ash bis Leichtlauf: So blicken Sie im Spezifikationen-Dschungel durch.
Autofahrer genießen heute den Luxus, beim Auto kaum noch Wartungsarbeiten selbst durchführen zu müssen. Eine lästige Pflicht bleibt allerdings: die regelmäßige Kontrolle des Schmierstoffpegels - egal ob elektronisch per Anzeige im Cockpit oder nach alter Tradition mit dem Ölmessstab. Denn allem technischen Fortschritt zum trotz können auch moderne Motoren durchaus 0,5 Liter Öl pro 1000 Kilometer verbrauchen, ohne dass ein Defekt vorliegen muss – je nach Konstruktion und Einsatzbedingungen sogar mehr. Ein Ölwechsel ist je nach Hersteller zwischen 15 000 und 30 000 Kilometern oder alle ein bis zwei Jahre fällig. Manche Aggregate sind dabei auf starre, manche auf variable Wechselintervalle ausgelegt. Da zwischen zu viel und zu wenig Öl in der Regel nur ein Liter Spielraum herrscht, ist eine regelmäßige Kontrolle - etwa alle zwei Tankstopps - zwischen den Wechselintervallen unumgänglich, wenn kein Motorschaden mangels ausreichender Schmierung riskiert werden soll.
Signalisiert der Pegelstand Nachfüllbedarf, beginnen aber oft die Probleme. Da steht der unbedarfte Autofahrer an der Tankstelle und fragt sich angesichts der breiten Auswahl an Ölen: Was muss denn in meinen Motor? Längst benötigen nicht nur leistungsstarke Triebwerke hochwertigen Schmierstoff. Auch in Brot-und-Butter-Autos finden sich Motoren mit variablen Wartungsintervallen, Diesel-Partikelfilter oder Pumpe-Düse-Einspritzung, die Öle mit speziellen Eigenschaften erfordern.
Das hat dazu geführt, dass vor allem deutsche Autohersteller schon vor längerer Zeit eigene Hausnormen entwickelt haben, deren Leistungsmerkmale von den ursprünglich gemeinsam festgelegten Spezifikationen abweichen. Allein im VW-Konzern sind elf verschiedene Motoröl-Normen definiert. In diesem Spezifikationen-Dschungel fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Mittlerweile wurde die Vielfalt zwar wieder etwas eingedämmt. Dennoch macht sich beim Autofahrer Verunsicherung breit, wenn er auf den Öldosen Bezeichnungen wie etwa BMW LL04, MB 229.31 und VW 507 00 liest oder feststellen muss, dass die Tankstelle kein geeignetes Öl vorrätig hat. Angesichts der Menge an unterschiedlichen Ölen keine Seltenheit.
Schmierstoff-Anbieter helfen mit Zuordnungstabellen bei der Suche nach dem passenden Öl, doch der sicherste Weg führt über die Betriebsanleitung des Fahrzeugs. Dort steht die benötigte Spezifikation. ob der Schmierstoff von einem anderen Hersteller als bei der Erstbefüllung stammt, spielt dagegen keine Rolle – Mischen ist erlaubt.
Wer angesichts der hohen Literpreise von bis zu 30 Euro zu einem billigeren Produkt ohne passende Herstellerfreigabe greift, handelt fahrlässig. So genannte Longlife-Öle ermöglichen etwa bei VW je nach Einsatzbedingungen Wechselintervalle bis zu 30 000 km.
Das funktioniert aber nur, wenn auch beim Nachfüllen Schmierstoff mit vorgeschriebener Longlife-Qualität verwendet wird. Falls kein entsprechendes Öl zur Verfügung steht, darf der Autofahrer etwa bei VW auch eine ebenfalls normierte Alternative einfüllen – aber nur ein Mal und nur maximal bis zu einem halben Liter. Wer dies zwischen den Wechselintervallen häufiger tut, riskiert einen Motorschaden und Probleme bei Garantie- oder Kulanzforderungen, wenn der Schaden nachweislich auf falsches Öl zurückzuführen ist.
Es lohnt also, sich nicht erst im Ernstfall mit der Frage zu beschäftigen, welches Öl in den Motor darf, und deshalb einen Liter zum Nachfüllen an Bord zu haben. Übrigens: Auch das richtige Motoröl sollte nicht über die Maximalmarke verabreicht werden. Denn zu viel Schmierstoff bekommt dem Aggregat ebenfalls nicht.
Worauf man beim Nachfüllen von Motoröl achten muss
Motorenöle werden in verschiedene Klassifikationen eingeteilt. Bei den Abkürzungen unterscheidet man zwischen herstellerspezifischen Normen (etwa VW 507 00) und den Spezifikationen verschiedener Institutionen. Dazu zählen die Vereinigung der europäischen Automobilhersteller (ACEA) und das American Petroleum Institute (API). Welche Spezifikationen für das eigene Auto in Frage kommen, steht in Serviceheft oder Betriebsanleitung. Nachgefüllt werden muss im Übrigen erst, wenn der Ölpegel nahe der Minimum-Marke steht. Für ein korrektes Messergebnis muss das Auto mit abgestelltem Motor einige Minuten auf einer ebenen Fläche stehen, bis das Öl in die Wanne zurückgeflossen ist.
Wechsel der Ölspezifikation bei Nachrüst-Dieselfiltern umstritten
Dieselautos, die ab Werk mit einem geschlossenen Partikelfilter-System ausgerüstet sind, benötigen häufig so genannte Low-SAPS- oder Low-Ash-Öle mit einem geringen Anteil an Sulfat-Asche, Schwefel und Phosphor. Sie erzeugen wenig Öl-Asche, die – anders als Rußpartikel – im Filter nicht abgebrannt wird und deshalb die Reinigungswirkung langsam verschlechtert. Bei offenen Filtersystemen, wie sie bei der Nachrüstung zum Einsatz kommen, besteht diese Gefahr nach Angaben der Filterhersteller nicht. Ein Wechsel auf teure, aschearme Öle sei unnötig. Ölhersteller empfehlen dagegen bei Nachrüstfiltern Low-SAPS-Öle, um die Reinigungsleistung des Filters sowie Verbrauch und Motorleistung auf Dauer nicht zu beeinträchtigen.
Quelle: AutoStraßenverkehr (Peter Wolkenstein)
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